#2 | Ist das Wichtig oder kann das weg ?!

Wie viele von euch wissen treibe ich mich nun schon eine ganze Weile mal mehr, mal weniger aktiv in diversen Lipödem-Facebook-Gruppen herum. Facebook-Gruppen sind ja mittlerweile die neuen Foren und das obwohl es Foren immer noch gibt.

Jedenfalls bieten diese Facebook-Gruppen ihrer Leserschaft so machen Rat, Tipp und vor allem Gesprächsstoff.
Das meine ich in erster Linie erst mal ganz objektiv. Für alle, die vielleicht keine Erfahrungen mit diesem Medium haben. In diesen Selbsthilfe-Gruppen – denn sie sind nichts viel anderes als das auch wenn sie sich gerne schöne, fantasievolle Namen geben – ist man eingeladen Fragen, Sorgen, Wünsche, Hoffnung und Gedanke nach dem jeweiligen Gusto zu posten.

An sich eine feine Sache, die auch ich sehr begrüße und nach Möglichkeit meine Erfahrungen und Motivation, mein Wissen & artig Likes zu (ver)teilen. So wie dutzende andere Frauen in diesen Gruppen.
Manchmal fühle ich auch schonmal etwas genauer auf den Zahn. Kommt nicht immer gut an, aber ein gut gemeinter Arschtritt hat so manchem schon geholfen und ich bin lieber ehrlich und wenn es nunmal dann nunmal so ist dadurch eben weniger sympathisch als jemanden breit grinsend ins Gesicht zu lügen.

Doch meistens sind wir alle ganz nett und super diplomatisch. Nettiquette olé.

Das kann konstruktiv sein. Oder eben auch nicht.Katz Maus

Genau deswegen kam es in letzter Zeit aber in diesen Gruppen öfter mal zum Eklat.
Was im Klartext heißt: wildfremde Frauen beschimpfen sich aufs Äußerste, weil sie nicht die gleiche Meinung teilen in Bezug auf ein Posting.

Bei den Inhalten dieser Posts ging es nicht einmal um besonders brisante Inhalte / Themen, sondern schlichtweg über Gewicht & Gewichtsreduktion.
Die Relevanz dieses Themas lasse ich an dieser Stelle bewusst unkommentiert.

Denn der springende Punkt war viel eher, wie schnell dieser Post außer Kontrolle geriet. Wie sich starre Fronten bildeten und ohne Warnschuss plötzlich los gefeuert wurde.
Und obwohl ich nicht mal ein aktiver Teil und damit potentielle Zielscheibe dieser Diskussion war, sondern bloß ein stiller Beobachter / Leser, zog mich diese Debatte in ihren gnadenlosen Sog.

Es wäre schlichtweg gelogen, wenn ich behaupten würde: das ging mir sonst wo vorbei !
Tat es nämlich nicht.

Es störte mich. Es störte mich erheblich.
Nicht nur, dass es die Gruppendynamik und das Gemeinschaftsgefühl ungemein beeinträchtigt hat, ich finde es hat diese sogar ein Stück weit zerstört. Schlimmer noch, dadurch entstand der Eindruck, dass es eine traurige Hierarchie der Krankheit gibt. Mir geht es immer zweimal schlechter als dir !
Alles für die Katz

Wenn man plötzlich so empfindet, macht es dann noch Sinn weiter zu machen?
Die Frage habe ich mir gestellt.

Jeder kennt den Spruch: ist das Kunst oder kann das weg ?
So habe ich danach auch erst einmal über mein Manuskript gedacht. Alle Ideen, jegliche Recherche und Sammlung von Infos – wofür? Für die Katz!

Umsonst. Sinnlos. Vergebens. Vergeblich. Zwecklos.

Nicht nur, dass ich es schade fand um die Mühe und Arbeit die ich in die bisherigen Kapitel investiert hatte. Es traf mich irgendwo sehr plötzlich das Gefühl zu haben für etwas, eine Krankheit, ein Bewusstsein zu schaffen bei dem es nur doch scheinbar nur darum ging sich gegenseitig zu bemitleiden und an Unwohlsein zu übertrumpfen.

Wie kann man aus einer unheilbaren Krankheit plötzlich einen Wettbewerb machen, fragte ich mich. Und das in einer Selbsthilfegruppe, die Frauen eigentlich animieren soll positiv über sich und ihr Aussehen zu denken und einander Beistand zu leisten.
Mehr als Kopfschütteln blieb mir nicht.Säue.jpg

Ich war demotiviert. Irgendwie sogar demoralisiert.

Doch als ich nochmal durch meine Notizen und mein Manuskript stöberte wurde mir plötzlich wieder klar, weshalb ich dieses Projekt gestartet hatte.
Ich wollte ein Bewusstsein schaffen für eine Krankheit, die mich selber seit Jahren betrifft und auch eingeschränkt hat, vor allem weil lange Zeit nicht klar war was es ist. Was es bedeutet. Wohin es sich entwickeln wird.
Ich wollte darüber schreiben und von meinen Erfahrungen berichten. Von den Erfahrungen anderer berichten, informieren, aufklären, desensibilisieren, Fragen aufwerfen und beantworten und die Krankheit Lipödem „Gesellschaftsfähig“ machen.

In meinem Fall stimmte der Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ nicht, es müsste viel mehr heißen: Ist das wichtig oder kann das weg?

Und ganz ehrlich: es ist wichtig! Es ist verdammt wichtig!

Denn mir ist das wichtig.

Auch wenn es vielleicht tatsächlich nur der M., meine Eltern und meine wunderbaren Freunde jemals lesen werden – whatever. Ich werde trotzdem weiter schreiben. Meinen Traum verfolgen um dieses Jahr mein erstes Manuskript bei diversen Verlagen einzureichen oder einfach via Self publishing zu veröffentlichen.

Auch wenn ich schon heute weiß, dass es Gegenwind geben wird. Das es manchen nicht gefallen wird. Egal ob es meine Schreibart ist, der Inhalt, die Geschichte drum herum, die Charaktere, der Plot oder einfach meine Wenigkeit. Hater gonna hate.

Aber ich bleibe dem Motte treu:
Nur die Harten kommen in den Garten, doch ich bin härter, ich bin der Gärtner!

Hochachtungsvoll,
die Eure
signatur_100117

 

Würdet ihr an meiner Stelle weiter schreiben oder die Flinte ins Korn werfen?

Macht es Sinn nur einen „Einblick“ zu geben, der NICHT allgemeingültig ist?
Kann man sich / seine Erkrankung trotzdem verstanden, erklärt & nachvollziehbar abgebildet fühlen – auch wenn man sich persönlich nicht darin 100% erkennt?

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