#1 | Ziegelsteine im Kopf

Es klingt tatsächlich dramatischer als es ist, zugleich vielleicht sogar ein bisschen poetisch. In der Tat.
Doch das Thema heute ist alles andere als poetisch. Eher rau und ungemütlich, etwas woran man sich die Knie aufschlägt, Ellenbogen aufscheuert und sich die Finger dran wund kratzt.
Denn die letzten zwei Wochen waren alles andere als konstruktiv, viel mehr destruktiv. Unproduktiv.
Ich hatte Schreibhemmungen. Das ist sowas wie Ladehemmungen. Nur eben was das Schreiben angeht.

Leere

Weder für mein Manuskript, noch für den Blog habe ich irgendeinen (guten) Text verfasst.
Ehrlich gestanden, ist die Qualität hier weniger das Problem als die Quantität. Sicher, ich habe hier und da mal was getippt. In mein Notizbuch gekritzelt. Auf Schmierzetteln notiert. Aber wirklich effektiv oder effizient war das nicht.
Das kann man sich am besten vorstellen, wenn man an eine Baustelle denkt. Eine Baustelle auf der ein Haus gebaut werden soll.
Die Baumaterialien wurden geliefert, die Pläne und Skizzen liegen vor, das Fundament ist gegossen und die erste Reihe Ziegelsteine aufgetürmt. Der Rohbau steht.

Soweit so gut. Würde man denken.

Doch dann kommt man wie gewohnt zurück zu seiner Baustelle, voller Motivation, Euphorie und Schöpfgeist – doch irgendwas ist anders. Nichts geht mehr!

Die Pläne ergeben keinen Sinn, egal wie man sie dreht und wendet.
Die Werkzeuge taugen nichts mehr oder fehlen komplett.
Die Steine halten nicht mehr aufeinander, verrutschen, weil irgendwas mit dem Kit nicht stimmt. Die Wände werden schief und krumm und aus Frust reißt man das Tagewerk wieder ein. Weil es einfach nicht richtig ist. Weil es eben nicht so aussieht wie es geplant war. Dann macht man für diesen Tag Feierabend und denkt sich nur: morgen wird’s bestimmt besser!

Schicht im Schacht

Wird es aber nicht. (Vorerst)
Also versucht man es Tag für Tag aufs Neue und wird nur noch frustrierter und gibt noch leichter auf und zweifelt an sich, an dem Projekt, sogar an der Idee selber.
Glaubt mir, das ist kein schönes Gefühl. Schreibhemmungen berauben einem Stückchen für Stückchen immer mehr der Begeisterung, Zuversicht, Motivation und Glauben an das wofür das Herz gerade eben noch so hoch schlug.

Jetzt denken viele sicher: ok, das Projekt Lipödem-Belletristik hat genauso schnell sein Ende gefunden, wie die Idee aufgekommen war.
Doch wie so oft im Leben, ist auch dies bloß eine schnöde öde Episode. Eine schreckliche Phase. Und sie ist vorbei !
Ja, genau, richtig gelesen. Zu ende. V-o-r-b-e-i.
Denn unverhofft kommt oft und so schrieb ich gestern wieder. Und schrieb und schrieb. Und auf einmal passten die Ziegelsteine wieder aufeinander. Nichts rutschte oder wackelte, die Pläne waren einwandfrei.

Deshalb ist mein Kopf voller Ziegelsteine.

Ich spreche darum auch ganz bewusst von Schreibhemmungen und nicht von einer Schreibblocklade. Denn blockiert war da nichts. Die Gedanken wuselten weiter fröhlich durch meinen Kopf und neue Ideen kamen, vorhandene Gedanken wurden präziser und manches wurde auch verworfen. Es gab einen Prozess. Nur leider brachte der nicht viel aufs Papier. Und das eben wegen dieser Hemmungen. Schreibhemmungen.
Bis der sprichwörtliche Knoten platzte und jetzt geht es weiter. Im wahrsten Sinne des Wortes: hemmungslos.

Drückt mir die Daumen – tschüssikowski
signatur_100117

 


Ihr kennt das sicherlich auch? Was macht ihr in einer solchen Situation, während dieser Zeit?
Könnt ihr irgendwelche Tricks & Kniffe empfehlen, wie man in so einem Fall wieder schneller auf’s Pferd kommt anstatt nur mit dem Sattel in der Hand am Reitstall auf den nächsten Gaul zu warten? (keine Wertung über das geliebte Hobby von Reitsportfreunden, die das hier vielleicht lesen)

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