Lipödem | Hosen Horror

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Kennen Sie das ?

Es ist Wochenende, Sie gehen in die Stadt oder ins nächste Einkaufszentrum oder vielleicht sogar beides und denken sich: „Mensch eine neue Jeans wäre doch mal wieder was Feines.“

Immerhin haben sie tatsächlich kaum Jeans oder andere Hosen im Schrank. Und das nicht nur als schlechte Ausrede, um einen Shoppingtrip guten Gewissens zu rechtfertigen, sondern es ist ein unbestreitbarer Fakt.

Sie ziehen also los. Ab ins nächste Geschäft mit einer ansprechenden Dekorationsfläche im Fenster.Perfekte Jeans.jpgWie jede andere Person haben Sie natürlich konkrete Vorstellungen von Ihrer neuen Jeans in Spe: sie soll schon dunkel sein, aber nicht zu dunkel. Keine Waschung oder trendige Löcher. Auch bitte keine low rise Jeans, die unschön selbst nicht vorhandene Fettpölsterchen nach oben drückt. Lieber normale Bundhöhe. Denn high rise ist ja gerne mal zu viel des Guten.

Skinny fit, slim fit, regular oder Chino? Bootleg oder doch lieber Boyfriend?
Ich habe kräftige Beinchen, ich möchte die nicht noch unnötig optisch verbreitern, deswegen greife ich am liebsten zu einem der ersten Modelle.

Eine erste grobe Auswahl ist also schonmal getroffen, also los geht’s mit der kundenfreundlichen Beratung durch sogenannte Verkaufsberaterinnen.

Dann kommt die erste Hürde, wenn die Verkäuferin einen gut gemeint fragt: „Welche Größe tragen Sie denn? 38?“
Wie gesagt, gut gemeint. Nicht gut gemacht. Ich fange dann gerne mal etwas reichlicher an und arbeite mich runter und freue mich dann lieber über eine kleinere Größe als erwartet.

„Mindestens 40 oder 42.“ Das führt meist schon zu erstaunten Gesichtern.

JA, ich bin klein.
JA, ich habe einen schlanken Oberkörper.
JA, ich kenne meine „abnormalen“ Proportionen unten rum gut.
Deswegen sehen Sie mich bitte nicht so vorwurfsvoll an als hätte ich keine Ahnung von dem was ich sage.

Oft flitzen die fleißigen Verkaufs-Bienchen dann los und sammeln die Bestseller von der Fläche ein.ohne-stretch-ohne-michDie nächste Hürde.
Obwohl ich feste Jeans aus am besten 100% Baumwolle super finde, würde ich niemals eine anziehen. Denn ich komme meist schon gar nicht in die Hose rein in erster Instanz. Baumwolle in ombi mit Elasthan, Polyester, Viskose oder sonstigen dehnungsfreundlichen Materialien ist bei mir Pflicht.

Wodurch sich die angeschleppte Auswahl dann schon meist halbiert.
Die andere Hälfte nimmt man dann mit in die Kabine und denkt sich nur: hoffentlich passt IRGENDWAS davon …

Und dann geht’s los – Anprobieren.

Ein Fuß rein, der andere Fuß rein. Rechtes Hosenbein behutsam hoch lupfen

An diesem Punkt bemerkt man dann schon oft zum ersten Mal, dass einem deutlicher warm geworden ist und man anfängt zu schwitzen.
Wenn es schnell geht, bekomme ich die Hose nicht einmal über die Waden gezogen. Auch nicht unter Krafteinsatz und bedrohlichem Krächzen der Nähte.
Wenn man aber die Waden gemeistert hat, hoffentlich ohne größere Probleme, dann kommt die Herausforderung herself: die Oberschenkel. An diesem Punkt scheiterten bisher die meisten anprobierten Hosen. Ohne massive Schäden würde ich die nicht darüber bekommen.

Also fragt man höflich nach einer Nummer größer oder besser direkt zwei Nummern größer!

Nein, nicht weil mein Po so dick ist. Mein Po wirkt sogar eher verloren in diesen großen Größen, denn er ist „normal“ groß. Genauso wie mein Bauch.
Da wo meine Beine gerade so hinein passen, haben oben rum mein Bauch und mein Po umso mehr Spielraum. Da hilft auch kein Gürtel mehr.

the-final-showdownAn diesem Punkt steigen mir spätestens Tränen in die Augen.
Für viele bestimmt unvorstellbar: heulen im Klamotten-Laden, nur weil mal was nicht passt. Albern! Lächerlich! Übertrieben !
So ist das aber nunmal bei mir. Man kennt es nicht anders und genau das bricht einen jedes Mal ein kleines bisschen, egal wie oft man schon in dieser Situation war. Egal wie gut man mental darauf vorbereitet ist. Egal wie verständnisvoll andere scheinen.

Hier endet das Unterfangen Hosenkauf abrupt. Keine Hose. Keine gute Laune.

„Schade, vielleicht beim nächsten Mal.“, scherzt man dann noch freundlich mit einem zögerlichen Lächeln auf den Lippen, bevor man sich mit dem übrig gebliebenen Selbstbewusstsein und einer kleinen Träne im Auge aus dem Laden stiehlt.

Erst mal Durchatmen. Mein Herz rast als wolle es aus der Brust springen und mein Gesicht glüht.

Ich tröste mich dann gerne mit Worten von Coco Chanel, die so passend meinte:
„Mode ist vergänglich. Stil niemals.“


Das kommt dir alles seltsam vertraut vor?

Dann hast du vielleicht auch Lipödeme. Diese fiese Fettverteilungsstörung.
So wie ich.

Mir fällt es deswegen seit Jahren schwer Hosen für mich zu kaufen. Sie passen meistens nicht und wenn, dann finde ich sehe ich damit winzig und schlichtweg fett aus.
Beides Gründe definitiv keine Hose zu kaufen.
Trotzdem versuche ich es immer wieder. Bisher erfolglos.
Ich habe genau 2 Hosen in meinem Kleiderschrank. Eine helle Jeans (super stretchy von Topshop) und eine schwarze Business-Hose (100% Viskose). Dabei trage ich vor allem im Frühjahr oder auch Sommer gerne Jeans zu offenen Schuhen und einem legeren Shirt …

Man kann aber wohl einfach nicht alles haben.
Besonders nicht wenn man nicht in die üblichen Konfektionsgrößen passt.

Aber vielleicht sorgen die Hosen von LUNA LARGO für Abhilfe. Ich will es mal ausprobieren – wenn es denn meine Größe mal wieder online gibt.
So lange schaut euch aber gerne schon mal den Post von Carolines auf dem Lipödem-Mode Blog dazu an.

Bis dahin, Tschüssikowski.
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2 Gedanken zu “Lipödem | Hosen Horror

  1. Hosenkauf mit Lipödem, der ultimative Horror! Das fiese ist ja, dass es bei manchen Läden sogenannte „bequeme“ Schnitte gibt, mit schlank geschnittenen Beinen und etwas mehr Platz für den Bauch. Das umgekehrte gibt es leider so gut wie nie… Als ich vor ein paar Jahren mal Krankengymnastik und -massage wegen einer verspannten Schulter hatte, meinte die Krankengymnastin: „Oh, Sie haben aber gerade viel abgenommen!“ Ich brauchte einen Moment, bis ich kapierte, dass sie das dachte, weil ich den weiten Taillenbund der Jeans, die über meine Beine und Hüften passte, sehr stark mit einem Gürtel zusammenraffen musste…
    Ich habe seit Januar meine Kompression und werde jetzt wohl gezwungenermaßen größtenteils auf Röcke umstellen, weil mir Kompression und Jeans jetzt schon einfach zu warm ist, erst recht dann wahrscheinlich im Mai oder Juli…

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